Wilsons Promontory

Diese Seite ist Mercedes und Howard Bredin gewidmet.

Update: Im April 2005 hat ein Buschfeuer 13% des Parks verbrannt. Darunter leider auch einen großen Teil der unten beschriebenen Strecke. Informationen zum Wiederaufbau und zur Wiedereröffnung der Tracks gibt es bei der Nationalparkverwaltung Victorias.

Der Weg

Wilsons Promontory ist eine Halbinsel (engl. 'promontory' = Kap ) wenige Autostunden südöstlich der Metropole Melbourne. Der Leuchtturm am Südzipfel markiert zugleich den südlichsten Punkt des australischen Festlandes. Heute ist die komplette Halbinsel ein National Park und als solcher einer der beliebtesten nicht nur des Bundesstaates Victoria sondern ganz Australiens.

Um von Melbourne zur Prom, wie die Australier gerne sagen, zu gelangen, folgt man zunächst dem South Gippsland Highway bis Meeniyan. Dort wendet man sich nach Süden auf die Straße, die einen über den Yanakie Isthmus nach Tidal River bringt. Am Eingang des Parks passiert man einen Kontrollpunkt der Nationalparkverwaltung. Hier wird sichergestellt, daß sich nie mehr Besucher im Park aufhalten, als es dem Schutz der Natur und des Wildnischarakters zuträglich ist. Als Besucher aus Übersee muß man jedoch keine Angst haben abgewiesen zu werden, da in solchen Fällen immer Ausnahmen gemacht werden.

Leider ist eine Anreise fast ausschließlich mit dem eigenen Wagen möglich. Öffentliche Verkehrsmittel sind mir zumindest nicht bekannt. Der Versuch den Park trampend zu erreichen, kann in Australien zum Geduldspiel werden. Ich selbst habe gerade in Gippsland die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht. Die zurückgelegten Distanzen lagen zwischen 800km und 25km an einem Tag...

Die Landschaft, Flora und Fauna

Die Landschaft der Prom ist so vielfältig, daß man besser von Landschaften sprechen kann. Auf relativ engem Raum findet man ausgedehnte Sandstrände, wilde Felsküsten, Teebaumbusch, Eukalyptuswälder, temperierten Regenwald, Heide und Erhebungen bis zu 705m.

Auf den ausgedehnten Ebenen am Yanakie Isthmus kann man bei der Anfahrt schon oft Emus in größerer Anzahl sehen. Diese australischen Straußenvögel grasen dort häufig bis dicht an die Straße. Die Straße nach Tidal River führt durch hügelige Buschlandschaften. Um den Camping Platz finden sich zahlreiche ausgezeichnete Badestrände. Auf der Westseite der Prom finden sich überwiegend Muschelkalkstrände, während nach Osten ausschließlich Quarzstrände zu finden sind. Sqeeky Beach nahe Tidal River bildet eine Ausnahme von dieser Regel. Die Quarzsände dort sind so fein, daß beim Gehen Quietschgeräusche entstehen, die dem Strand seinen Namen gaben.

Auch wer nicht längere Fußmärsche auf sich nehmen kann oder will, wird in Tidal River einiges entdecken können. Neben dem kleinen Museum der Nationalparkverwaltung, das einen guten Überblick über die Geschichte und die Natur der Halbinsel bietet, wird man eine Begegnung mit Rosellas kaum vermeiden können. Diese farbenfrohen Vögel leben wild. Sie sind aber so an die Menschen gewöhnt, daß sie sich wie Tauben füttern lassen und auch schon mal auf Schulter oder Kopf der Besucher landen, um sich Körner oder Brot zu erbetteln. Nachts ist es keine Seltenheit grasende Wombats zu sehen. Die Plumbbeutler von der Größe eines kleinen Schweins verschlafen den Tag in selbst gegrabenen Höhlen. Nachts werden sie aktiv und halten die Grasflächen des Campingplatzes kurz. Wer nächtliche Geräusche hört, sollte mit der Taschenlampe auch nach Possums Ausschau halten. Die Beutelratte hat etwa das Format eines Kaninchens und hält sich meist in den Bäumen und Büschen auf. Vorsicht mit Lebensmitteln im Freien - Possums sind manchmal schneller, als man glaubt.

Wer bei seinen Wanderungen häufiger in die Kronen der Eukalypten blickt, hat gute Chancen einen Koala zu entdecken. Besonders bei der Wahl des Nachtlagers ist es sogar sehr empfehlenswert. Denn die tagsüber trägen, bewegungsarmen Tiere beginnen Nachts ihr lautstarkes Freßwerk in den Bäumen. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, daß die Freude über die Entdeckung der possierlichen Tierchen in solchen Nächten leidet.

Weitere Säuger, auf die man stoßen könnte, sind verschiedene Känguruharten, Beutelmäuse, Bandicoots und Echidnas. Letztere haben Ähnlichkeit mit Igeln. Sie sind aber erheblich größer (30-45cm) und gehören zu den sogenannten Kloakentieren. Das sind Säuger, die Eier legen. Außer dem Echidna tun dies nur die ebenfalls in Australien beheimateten Schnabeltiere.

Neben den oben erwähnten Emus und Rosellas finden sich verschiedene Kakadus und Papageien. Besonders imposant ist z.B. mit seiner Größe von ca. 60cm der Schwarze Kakadu. Mindestens so beeindruckend von der Größe aber noch mehr durch seine Grazie ist der Keilschwanzadler. Mit ein wenig Glück sieht man dieses majestätische Tier seine Runden über den Anhöhen ziehen. An den Ufern der Bäche und des Meeres kann man auf verschiedene Reiher treffen, die watend ihr Jagdglück versuchen. Australien ist auch die Heimat des schwarzen Trauerschwans. Die Vögel scheinen bis auf den Schnabel vollständig schwarz, doch im Flug werden ihre weißen Unterschwingen sichtbar. Als weitere Beispiele des reichen Vogellebens der Halbinsel seien noch der Fairy Wren und der Kookaburra genannt. Letzteren findet man oft in lichtem Baumbestand. Von Ästen lauernd stürzen sich die krähengroßen Vögel auf ihre Beute aus Insekten und Eidechsen. So sollte man sich nicht wundern, wenn bei einem Rastplatz plötzlich ein Kookaburra direkt neben einem wie ein Stein auf den Boden schlägt. Wahrscheinlich hat er von seiner Warte im Baum einen fetten Käfer oder eine unvorsichtige Eidechse erspäht. Die List ließe sich noch lange fortsetzten, da ca. 230 Arten hier leben oder brüten. Dem Interessierten sei hier der hervorragende Vogelführer von Simpson & Day ' Field Guide to the Birds of Australia' ans Herz gelegt.

Neben Säugern und Vögeln gibt es auf der Prom diverse Echsen- und Schlangenarten, Schmetterlinge und andere Insekten und in den Gewässern auf und um den Nationalpark zahlreiche eßbare Fische. Dazu zählt allerdings kaum der am Strand von Refuge Cove tot aufgefundene Rochen. Die Bedingungen für's Fischen sollten jeweils bei der Parkverwaltung erfragt werden. Gundsätzlich benötigt man für das Angeln in gezeitenbeeinflussten Gewässern Australiens keine Angelscheine.

Verschiede Pfanzengesellschaften, wie den Teebaumbusch, verschiedene Eukalyptuswälder, temperierten Regenwald oder die Heide, erwähnte ich bereits. Desweiteren gibt's aber auch noch Sümpfe, die teilweise durch Wanderpfade auf Holzkonstruktionen überbrückt werden.
So ist die Prom mit ihren ca. 700 einheimischen Arten auch für Pflanzenliebhaber abwechslungsreich und spannend. Einige der Pflanzen existieren sonst nur noch auf Tasmanien, während andere hier an die südlichste Grenze ihres Verbreitungsgebietes stoßen. Dazu zählen z.B. Mangrovensümpfe, die an keinem südlicheren Platz der Welt zu finden sind.

Die geologische Geschichte der Prom ist fast so abwechslungsreich wie ihr heutiges Tierleben. Vor ca.120 000 Jahren lag der Meeresspiegel etwa 7m über heutigem Niveau. Statt der Halbinsel existierte eine Inselkette. Durch den Fall des Meeresspiegels auf etwa den heutigen Pegel bildete sich der Yanaki Isthmus. Dieser verbindet seitdem die Halbinsel mit dem australischen Festland. Durch eine Eiszeit vor 18 000 Jahren fiel der Meeresspiegel 120m unter den derzeitigen. Zu dieser Zeit war die Prom Teil einer Landbrücke von Victoria nach Tasmanien. Es wird vermutet, daß über diese Landbrücke die erste Besiedelung Tasmaniens stattfand.

Die Geschichte menschlicher Besiedlung beginnt mit Aboriginies des Brataualung Stammes. Die Brataualung lebten als Jäger und Sammler. Neben Pflanzen scheinen sie von Muscheln, Fischfang und der Jagd auf u.a. Vögel (z.B. Pinguine und Kormorane), Känguruhs oder auch Seehunde gelebt zu haben. Mit dem Eintreffen europäischer Siedler ab 1835 wurden die Brataualung brutal zurückgedrängt. So wurden 1843 auf dem Festland bei einem Massaker 100-150 von ihnen getötet.

Vor dem Beginn der europäischen Siedlung waren schon Seehundjäger nach Wilsons Promontory gekommen. Von ihrer Aktivität zeugt noch heute der Name 'Sealers Cove' (Seehundjäger Bucht). Neben der Jagd wurden die Wälder ausgebeutet und Mienen errichtet. Farmer nutzten das Gebiet für die Viehzucht.

Durch die Aktivität von Naturliebhabern Victorias, die schon seit 1887 die Errichtung eines Schutzgebietes ins Auge faßten, wurden bereits 1898 weite Teile der Halbinsel unter einen Veräußerungsschutz gestellt. 1908 wurde das gesamte Gebiet zum Nationalpark erklärt.

Wanderungen und Übernachtung

Tidal River verfügt über einen ausgedehnten Campingplatz, feste Hütten und kleine Ferienwohnungen. Da der Park sehr beliebt ist, sollte man Hütten und Wohnungen stets vorab reservieren. Zeltplätze werden für Besucher aus Übersee auch dann bereitgestellt, wenn der Park eigentlich wegen Überfüllung geschlossen ist. Außerdem finden sich in Tidal River noch eine Tankstelle, ein Supermarkt, Schnellimbisse und ein kleines 'Kino'.

Bei den Wanderungen sind Übernachtungen grundsätzlich an eine Erlaubnis von den Rangern in Tidal River gebunden. Wer über Nacht unterwegs ist, tut aber sowieso gut daran, sich dort Rat zu holen. Die Ranger verfügen stets über die neuesten Informationen zum Zustand der Wege, Vorhandensein von Wasser und Anzahl der Mitwanderer in den verschiedenen Gebieten.

Wer es einsam mag, ist am besten im Norden aufgehoben. Selbst in der Hochsaison zu Weihnachten sind dort oft keine Wanderer unterwegs. Das bedeutet aber auch, dass keine sofortige Hilfe verfügbar ist, falls man sich beispielsweise ein Bein bricht und nicht weiter kommt. Da man bei 35 gut 5-7 Liter Wasser am Tag braucht, kann so eine Situation schnell heikel werden.

Meine liebste Wanderung ist die dreitägige Rundwanderung vom Mt Oberon Parkplatz über Sealers Cove, Refuge Cove und Waterloo Bay. Wer diese Tour unternimmt, durchwandert in drei Tagen fast die gesamte Bandbreite der Landschaften des gemäßigten und subtropischen Australiens. Sealer Cove und Waterloo Bay bieten sich als Zeltplätze an. Mit einer zusätzlichen Übernachtung bei Half Way Hut oder Roaring Meg kann man auch den Leuchtturm am südlichsten Punkt des Kontinentes erreichen. Der Weg ist allerding wegen der Versorgung des Leuchturm als Schotterstrasse ausgebaut.

Da die Rundtour keine vierzig Kilometer lang ist, machen viele Leute sie auch an einem Tag. Da man allerding besonders zwischen Waterloo Bay und Refuge Cove mehrfach einige hundert Höhenmeter zu überwinden hat, muss man sich mehr sputen, als es der Natur angemessen wäre.

Wer nicht über Nacht wandern will bzw. wegen einer Behinderung nicht kann, findet um Tidal River viele kürzere Wanderwege, von denen einige sogar rollstuhlgerecht ausgebaut sind.

Arne Möller © 1999-2018

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